Gerade eben kam ihr Ehemann nach Hause, schmiss seine Aktentasche aufs Sofa und sich mit seinen schmutzigen Schuhen hinterher.

Mit seinen schmutzigen Schuhen über den hellen Teppich auf das weiße Ledersofa.

Dann kratzte er sich zwischen den Beinen und gähnte herzhaft.

Frau Meier schaute ihm regungslos zu, nur ihr rechte Augenbraue wanderte ein Stück auf ihrer Stirn hinauf.

Und bei genauerem hinsehen bemerkte man ein leises Zittern ihrer aufgeblähten Nasenflügel sowie eine feine Falte auf ihrer Stirn, die sich vertiefte.

Ja,Frau Meier ist sauer.

Hat dieses Subjekt, dort auf ihrem Sofa, dieses ungehobelte , fette Wesen, mit dem aufgedunsenen Gesicht und der vor Schweiß glänzenden Glatze doch nichts , aber auch gar nichts mehr mit dem wohlerzogenen, sportlichen ,jungen Mann gemein, den sie vor über 20 Jahren ehelichte.

Sie wendet sich wieder dem Herd zu, den Löffel in der Hand, mit dem sie gerade das Essen umrührte. Gedankenverloren taucht sie ihn in die Kohlrabisuppe und rührt sie angeekelt um. Sie hasst Kohlrabi.

„Was ist denn mit Essen, kommt’s bald? Hast du es wieder nicht geschafft das Essen pünktlich fertig zu kriegen? Alte…. “

Sie zuckt zusammen und fasst den Löffel etwas fester.

Dann dreht sie sich mit liebevollen Lächeln um „Aber sicher ist das Essen fertig, mein Schatz, ich hab Kohlrabisuppe für dich gekocht.“

Ihre Fingerknöchel treten mittlerweile weiß hervor, so fest hält sie den Löffel.

„ Ich bring sofort die Teller.“ schiebt sie hinterher.

Er grunzt zufrieden, zieht seine schmutzigen Schuhe aus und stellt sie unter den Wohnzimmertisch auf den hellen Teppich.

Die Falte auf ihrer Stirn vertieft sich weiter.

Sie beginnt das Geschirr aus dem Schrank zu nehmen, und auf den Tisch zu verteilen.

Dann öffnet sie die Besteckschublade und nimmt Löffel heraus.

Ihr Blick fällt auf das große Brotmesser.

Fast zärtlich nimmt sie es in die Hand,ihre Finger streichen sanft über die Schneide.

Zaghaft legt es sie zurück und ein feines Lächeln umspielt ihre Lippen.

Energisch schließt sie die Schublade und bringt die Löffel zum Tisch.

Regungslos schaut sie ihm zu, wie er die Suppe in sich hineinschaufelt und ihm dabei ein feiner Speichelfaden von den Lippen zum Kinn rinnt.

Sie sitzt mit vollem Teller dabei und rührt nur lustlos in der auf ihm herum.

„Was ist los?Warum isst du nicht? Bist du wieder auf Diät? Bei dir ist doch sowieso alles zu spät.“ Grinsend nimmt er sich eine zweite Kelle.

Dann bringt sie das Geschirr in die Küche .

„Komm her!“ tönt es aus dem Wohnzimmer. „Gibts heut keinen Nachtisch oder was ?“

Frau Meier schaut auf und nimmt leise Müllsäcke und dickes Paketklebeband aus der Schublade.

„Ja mein Guter, gleich komm ich zu dir und dann machen wir es uns gemütlich.“

Herr Meier sitzt schon wieder auf dem Sofa, er knöpft sich langsam die Hose auf und holt sein erigiertes Glied hervor.

„Beeile dich, ich will nicht ewig warten! Immer das gleiche mit dir..“ nölt er.

Sie kommt in die Küche und lüpft ihren Kittel.“ Naaa? Ist denn der kleine Herr Meier schon bereit?“fragt sie angeekelt.

„Aber sicher doch.“ Gierig schaut er auf seine Frau „und wenn es das letzte ist was ich auf dem Sterbebett tun werde…..dich …..ffffffff…“

Ihr Mann verdreht die Augen und stöhnt.

„Deine Gier wird das letzte sein.“sagt Frau Meier tonlos und lässt ihren Saum wieder fallen.

Dann betrachtet sie reglos ihren Mann, der nun röchelnd auf dem Sofa liegt.“Hol… einen Arzt, bitte…“

Sie schaut ihn an und erwidert schlicht “Nein.“

„Aber ich …….sterbe……“

Sie nickt. „Beeile dich, ich hab nicht ewig Zeit.“

Da bäumt sich Herr Meier noch einmal auf und sackt zusammen.

Frau Meier atmet tief ein und legt den Kopf in den Nacken. Sie holt ein Haargummi aus der Tasche und bindet ihre dunklen Haare zu einem festen Zopf zusammen.

Sie schaltet den CD-Player an und legt ihre LieblingsCD ein.

„Highway to Hell…“ hämmert es aus den Boxen.

Sie grinst, diese Musik mochte ihr Mann nie.

Dann holt sie leise pfeifend die Mülltüten, eine große Plane, das Messer und Klebeband aus der Küche.

Am nächsten Tag pünktlich morgens um 8 klingelt der Paketdienst an der Tür.

„Ich soll hier ein paar Koffer abholen .“ lächelnd steht ein junger Mann vor ihr. „Wo solls denn hingehen? Die sind ja ganz schön schwer!“stöhnt er, als er den zweiten Koffer anpackt.

„Ach wissen sie , wir wollen ein Jahr auf Weltreise, mein Mann und ich“ antwortet sie mit kokettem Augenaufschlag.

„Und der Herr Gemahl ist gar nicht da? Gute Reise und grüßen sie ihn von mir.“

„Dankeschön. Mach ich “sagte sie lächelnd und tritt leicht vor den Koffer.

Ein paar Wochen später sah man auf einer kleinen Insel im Pazifik, auf einer weißen geschwungenen Bank, eine gefärbte Blondine mittleren Alters sitzen, die eine deutsche Tageszeitung las. Diese berichtete von einem Leichenfund in Koffern. Und von der verschwundenen Ehefrau.

Ihr Freund legte ihr die Hand in den Nacken und streichelte zärtlich mit dem Daumen über ihren Hals.

Er sah über die Schulter in die Zeitung und bemerkte kopfschüttelnd „Sachen gibt es..“

„Ja. Sachen gibt es.“ Bestätigte sie und strich sich leicht über ihr geliftetes Antlitz.

Nur die Falte, die auf ihrer Stirn, die hatten sie nicht ganz wegbekommen, stellte sie mit feinem Lächeln fest.